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Psychologie

Wovor die Deutschen am meisten Angst haben

Meldung vom 17.12.2007 - Terrorismus, Klimakatastrophen, Seuchen, Kriege: Es gibt jede Menge Dinge, die Angst und Schrecken erzeugen können. Doch was macht den Bundesbürgern im Jahr 2007 tatsächlich Angst? Was empfinden sie als wirklich gefährlich? Eine aktuelle Studie fördert Überraschendes zu Tage.

Nicht Terrorismus oder die drohende Klimakatastrophe machten den Bundesbürgern im Jahr 2007 am meisten Angst, sondern der Gedanke daran, dass alles teurer wird. Doch dieses überraschende Ergebnis der Erhebung einer Versicherung wirft Fragen auf: Macht den Menschen tatsächlich Sorgen, was in Politik und Medien als Bedrohung dargestellt wird? Was ist wirklich gefährlich? Und was ist eigentlich aus alten Angstthemen geworden wie dem Waldsterben, der Rinderseuche BSE oder dem Atomkrieg?

Blickt man auf die Daten der Studie, die seit 17 Jahren erhoben werden, so zeigt sich, dass die Deutschen vor allem wirtschaftliche Ängste haben. Neben dem Anstieg der Lebenshaltungskosten schaffte es in den vergangenen acht Jahren nur noch die Angst vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage an die Spitze der Angst-Hitparade. Während die Angst vor Naturkatastrophen im Zuge der Klimadiskussion mittlerweile auf Rang zwei vorgerückt ist, rangiert der Terrorismus für das Jahr 2007 nur auf Rang sechs. In den beiden Jahren davor war er überhaupt nicht unter den sieben größten Ängsten der Deutschen.

Eine Studie der GfK zeigt, dass die Deutschen im internationalen Vergleich mit 20 anderen Ländern überdurchschnittlich hohe materielle Ängste haben. Allerdings gaben auch beachtliche 20 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass sie sorgenfrei lebten.

Was wirklich gefährlich ist, ist schwer zu beurteilen. Bislang ist die Menschheit weder an einem Atomkrieg noch an einem Super-GAU in einem Kernkraftwerk zugrunde gegangen, sie hat den Kommunismus und diverse Schurkenstaaten überlebt. Das Aids-Virus kann noch immer nicht fliegen, die Angst vor der Vogelgrippe war auch schon größer, und an SARS denkt heute eh kaum noch jemand. Trotz BSE wird weiter Rindfleisch gegessen, der Wald stirbt seit mehr als 20 Jahren und sieht für den ungeübten Betrachter eigentlich noch immer schön grün aus. Und vom Ozonloch heißt es sogar, dass es wieder schrumpft. Es ist also noch immer alles gut gegangen - bislang.

„Die Grundbedingung für die Angst ist, dass man nicht weiß, wie realistisch die Gefährdung ist“, sagt Medienwissenschaftler Bolz. „Könnte man die tatsächliche Gefahr einschätzen, hätte man nur Furcht. Mit Furcht kann man nur begrenzt Schlagzeilen machen. Aber Angst ist unbestimmt. Deswegen gibt es von der Angst nie eine prinzipielle Erleichterung, sondern höchstens einen Themenwechsel.“

Der Medienwissenschaftler behauptet, dass es in Deutschland eine Angstindustrie gibt: „Sobald eine Angst fehlt, wird einfach eine neue eingesetzt“. Dabei wirken Medien, Intellektuelle und Politik zusammen und profitieren voneinander, wie der Professor von der TU Berlin weiter erklärt.

Nach der Theorie von Bolz leben die Medien von Sensationen und Katastrophen und greifen dankbar auf Warner und Mahner zurück, die angesichts immer neuer Bedrohungsszenarien verkünden, dass es „fünf vor zwölf“ sei. Parteien wiederum könnten davon profitieren, wenn sie auf Horrorszenarien eingingen. „Einen großen Teil der unglaublichen Erfolgsgeschichte der Grünen kann man eigentlich nur aus diesem Zusammenspiel der Angstindustrie verstehen“, sagt Bolz.

Der Psychoanalytiker Richter erklärt das Verschwinden bestimmter Ängste damit, dass es ein menschliches Bedürfnis sei, Gefahren nicht passiv ausgeliefert zu sein, sondern sie aktiv zu beherrschen. Man halte es schlicht nicht aus, sich in einer schrecklichen Realität dauernd ängstigen zu müssen. Um sich wohler zu fühlen, versuche man, das Angsterregende zu bagatellisieren oder sogar als Besitz oder Chance zu empfinden. Deutlich macht Richter seine Theorie am Beispiel einer möglichen Bedrohung durch Nuklearwaffen. Der Wunsch, die Atomwaffen als Friedenswächter zu sehen, habe da offenbar mittlerweile bei der Verdrängung der Angst geholfen.

Um diffuse Ängste in den Griff zu bekommen, kann es auch helfen, sich über bestimmte Themen und die Mechanismen besser zu informieren. So rät Bolz, Erfahrung über die Angstindustrie zu sammeln und den immer neuen Bedrohungsszenarien etwas gelassener gegenübertreten. Zugleich räumt er aber auch ein, dass es so etwas wie eine Angst-Lust gebe: „Es macht auf eine eigentümliche Weise Spaß, von Panik getrieben zu werden. Man genießt diese Unheimlichkeit der Weltuntergangsstimmung auch ein bisschen.

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Frauen sind kinderlos glücklicher als Männer

Meldung vom 14.12.2007 - Da ist keine Spur von Einsamkeit und Bitterkeit: Kinderlosigkeit wird - zumindest in den USA - von gebildeten Frauen eher positiv gesehen, als von gebildeten Männern. Immer mehr Frauen entscheiden sich sogar ganz bewusst gegen Kinder. Grund: Mutterschaft bedeutet meist einen Karriereknick.

Gebildete Frauen im gebärfähigen Alter sehen Kinderlosigkeit weit häufiger als bevorzugte Option an als gebildete Männer im besten Zeugungsalter. Dabei geht es für die gebildeten Frauen bei der Kinderanschaffung nicht so sehr um den finanziellen Einbruch als um den Karriereknick.

Religiosität als solche spielt bei Kinderwunsch und Kinderlosigkeit dagegen keine eindeutige Rolle: Es hängt von der Konfession ab, wie wichtig Kinder sind. Und: Nichteheliche Lebensgemeinschaften sind eher für Kinder als gegen Kinder. Zu all diesen Ergebnissen kommt ein amerikanisches Wissenschaftlerinnen-Team von der University of Florida, das seine Ergebnisse im „Journal of Marriage and Family“ veröffentlicht hat. Tanya Koropeckyj-Cox und Gretchen Pendell von der University of Florida haben die Daten von über 11.000 Erwachsenen aus US-Erhebungen der 1980er und 1990er Jahre ausgewertet. Demnach ist es vor allem für Hochschulabsolventinnen durchaus eine Option, kinderlos zu bleiben. Die männlichen Hochschulabsolventen hingegen wollen sehr gern Kinder haben.

Die Forscherinnen erklären diese Diskrepanz damit, dass gebildete junge Männer durch Kinder an Ansehen nur gewinnen können. Die Vaterschaft stellt auch kein Hindernis beim Zugang zu lukrativen Stellen dar – obwohl Männer heute schon mehr in die Familienpflichten eingebunden sind als noch vor Jahrzehnten. Die Hauptlast bleibt dennoch auf den Schultern der Mütter. Mutterschaft bedeutet fast immer einen Karriereknick, den gut ausgebildete junge Frauen heute nicht hinzunehmen bereit sind.

Bei den Menschen mit einer Religionszugehörigkeit zeigt sich in der Studie ein uneinheitliches Bild in der Kinderfrage. Für Baptisten und orthodoxe Juden ist Kinderlosigkeit am wenigsten wünschenswert. Fundamentalistische Protestanten und praktizierende Katholiken jedoch unterscheiden sich in ihrer Haltung zu Kindern nicht wesentlich von wenig engagierten Protestanten, kaum zur Kirche gehenden Katholiken und Atheisten.

Ein überraschendes Ergebnis erbrachten die Daten der Personen aus nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften. „Diejenigen, die sich entschlossen hatten, ohne Trauschein zusammenzuleben, hatten selten eine positive Haltung zur Kinderlosigkeit“, erklärt Koropeckyj-Cox. „Wir nehmen an, dass das Zusammenleben ohne Trauschein heute eher als Vor-Ehe praktiziert wird im Hinblick auf eine spätere Heirat und eine Familiengründung und nicht etwa als Alternative zu Ehe und Familie betrachtet wird.“

Insgesamt, sagen die Forscherinnen, habe es in den USA seit den 1970er Jahren zugenommen, dass Menschen Kinderlosigkeit für sich persönlich bewusst ins Auge fassen. Darüber hinaus sind Frauen bei ihrer ersten Geburt heute deutlich älter. Das Durchschnittsalter der Frauen bei ihrer ersten Geburt liegt jetzt bei 25 Jahren. Aber mehr als ein Viertel aller Erwachsenen befindet sich schon jenseits des 30. Lebensjahres, wenn sich der erste Nachwuchs einstellt.

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Großzügigkeit ist genetisch vorbestimmt

Meldung vom 11.12.2007 - Forscher haben erstmals belegt, dass es einen genetischen Hinweis darauf gibt, ob ein Mensch großzügig ist oder nicht. Im Experiment konnten sich die Teilnehmer entscheiden, ob sie Geld behalten oder weitergeben. Menschen mit einer bestimmten Gen-Variante zeigten sich deutlich spendabler.

Manche Menschen könnten genetisch dazu vorbestimmt sein, über eine großzügige Persönlichkeit zu verfügen. Insgesamt 203 Personen nahmen an einem Online-Test der The Hebrew University of Jerusalem teil. Die Teilnehmer konnten sich dabei entscheiden, ob sie Geld behalten oder es weitergeben. Gentests ergaben, dass jene die über eine bestimmte Variante des Gens AVPR1a verfügten, durchschnittlich um 50 Prozent großzügiger waren. Details der Studie wurden in dem Fachmagazin Genes, Brain and Behavior veröffentlicht.

Der leitende Wissenschaftler Ariel Knafo betonte, dass dieses Experiment seines Wissens nach den ersten direkten Beweis lieferte, dass es einen Zusammenhang zwischen der Veränderlichkeit der DNA und wirklichem Altruismus gibt. Das Gen AVPR1a spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass das Hormon Arginin-Vasopressin bei Gehirnzellen aktiv werden kann. Vasopressin wiederum wurde mit sozialen Bindungen in Zusammenhang gebracht. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei großzügigeren Teilnehmern ein entscheidender Bereich des Gens, der Promotor, länger war. Beim Promotor handelt es sich um jenen Bereich, der bestimmt, wie aktiv ein Gen ist. Ein längerer Promotor macht also auch ein Gen aktiver.

Die Wissenschaftler betonen, dass eine Version von AVPR1a auch bei Wühlmäusen vorkommt, wo sie ebenfalls die sozialen Verbindungen fördert. Dieser Umstand deute darauf hin, dass der Altruismus über eine lange genetische Geschichte verfügt. Laut dem Psychologen George Fieldman von der Buckinghamshire New University machen Gene, die Großzügigkeit und soziale Bindungen fördern durchaus einen evolutionären Sinn. Der Erfolg von Altruismus als Strategie basiert ja auf der Idee, dass eine gute Tat wahrscheinlich auch erwidert wird. Das es weniger wahrscheinlich ist, dass diese Strategie auch bei Fremden funktioniert, wurden auch soziale Bindungen wichtig.

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by Dr. Radut