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Wie der Charakter das Konzept von "oben" und "unten" prägt

Meldung vom 08.03.2008 - Dominante Menschen erfassen vertikale Anordnungen schneller als schüchterne

Wer sich für dominant hält, besitzt gegenüber zurückhaltenden Menschen einen Vorteil in der Wahrnehmung von oben und unten. Das ergab eine Studie an der amerikanischen Staatsuniversität von North Dakota in Fargo. Probanden mit dominantem Temperament schnitten in Reaktionstests bei vertikalen Reizen besser ab als schüchterne Testpersonen. Ob die Testperson männlich oder weiblich war, erwies sich in der Studie der amerikanischen Psychologin Sara Moeller dagegen als unerheblich.

In den Tests saßen die Probanden vor einem Bildschirm und mussten durch Tastendruck auf Zeichen reagieren, die auf dem Monitor eingeblendet wurden. Um dominantes Verhalten zu messen, stellten die Wissenschaftler den Probanden nach dem Reaktionstest Fragen, in denen sie Beschreibungen ihrer Person bewerten mussten. Die Teilnehmer konnten auswählen, ob sie Aussagen wie "Ich möchte das Gespräch kontrollieren" oder "Ich setze meinen Willen gegenüber anderen durch" als zutreffend oder nicht empfanden. Auf Basis von 21 derartigen Fragen bewerteten die Forscher die Dominanz einer Person.

Lagen die Zeichen bei dem Test am Monitor auf einer Achse von rechts nach links, so ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen dominanten und zurückhaltenden Persönlichkeiten, zeigte die Auswertung. Waren sie dagegen am oberen oder unteren Bildschirmrand lokalisiert, also auf einer vertikalen Achse, so reagierten die dominanten Testpersonen merklich schneller als die übrigen Probanden.

In ihrer Arbeit sieht Moeller auch eine Bestätigung von Theorien, die von einer engen Verknüpfung von abstraktem Denken und konkreter sinnlicher Wahrnehmung ausgehen. Demnach neigen Menschen dazu, wenn es um unkonkrete Begriffe wie Macht oder Dominanz geht, auf Metaphern zurückzugreifen und abstrakte Begriffe mit wahrnehmbaren Erfahrungen zu verknüpfen. Umgekehrt prägen jedoch auch die bevorzugten Denkkategorien die Wahrnehmung.

Sara Moeller (Staatsuniversität North Dakota) et al.: Psychological Science, Band 19, Heft 4

wissenschaft.de – Markus Zens

 

 




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