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Das Rätsel des Sternenstaubs

Meldung vom 25.01.2008 - Gefangene Körnchen von Komet Wild-2 ähneln typischem Asteroidenmaterial

Kometen, so nahmen Planetenforscher lange an, sind eine Art Zeitkapsel aus dem jungen Sonnensystem – tiefgefrorene Reste des solaren Urnebels. Doch das gilt zumindest nicht für alle Schweifsterne, berichten jetzt Forscher um Hope Ishii vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien: Der Komet Wild-2, von dessen Schweif die Raumsonde Stardust im Januar 2006 Proben zur Erde brachte, hat eine ähnliche Zusammensetzung wie ein typischer Asteroid, schreiben die Forscher in der Zeitschrift Science.

Wild-2 schien ein idealer Kandidat zu sein, um möglichst ursprüngliches, also nicht durch Sonnenhitze verändertes Kometenmaterial zu sammeln. Erst 1974 drang Wild-2 ins innere Sonnensystem vor, nachdem er dem Planeten Jupiter zu nahe gekommen war. Vorher hielt er sich weit entfernt von der Sonne in den äußeren Bezirken des Sonnensystems auf. Planetenforscher nehmen an, dass er aus dem Kuiper-Gürtel stammt, einer Ansammlung eisiger Kleinplaneten jenseits der Bahn des Planeten Neptun.

Die Sonde Stardust durchquerte den Schweif des Kometen 2004 und sammelte dabei mit Hilfe einer Fangvorrichtung aus Aerogel, einem ultraleichten, schaumigen Silikat-Material, einige tausend Teilchen Kometenstaub ein. Nach der gründlichen Analyse der Teilchen melden Ishii und Kollegen jetzt, dass die gefundenen Mineralien allesamt bei großer Hitze im inneren Sonnensystem zusammengebacken worden sind. Die erhofften primitiven Bestandteile des Urnebels oder sogar Teilchen, die älter sind als das Sonnensystem, fanden die Forscher dagegen nicht.

"Insgesamt sieht es so aus, als sei Wild-2 eher ein Asteroid als ein Komet", sagt Ishii. Offenbar gebe es keine klare Trennung zwischen diesen beiden Sorten von Himmelskörpern. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass Asteroiden einen großen Teil ihrer flüchtigen Bestandteile verloren haben, weil sie schon länger in Sonnennähe kreisen.

Für die Entstehung des Kuiper-Gürtels bringt die Stardust-Untersuchung verwirrende Neuigkeiten: Offenbar wurden größere Mengen Staub aus der Nähe der Sonne bis in die Außenbezirke katapultiert, wo das Material von den dort vorhandenen Eisbällen aufgenommen wurde.

Irgendwo im Sonnensystem muss es aber auch eine Quelle für den primitiven Staub aus dem Urnebel geben. Die Erde selbst fängt jedes Jahr einige tausend Tonnen dieser winzigen Teilchen ein, schon seit 30 Jahren sammeln Forscher sie mit Flugzeugen ein. Wo diese Partikel herkommen, ist nun rätselhafter denn je.

Hope Ishii (Lawrence Livermore National Laboratory, USA) et al.: Science, Bd. 319, S. 447

wissenschaft.de / Ute Kehse





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